Eine Ausstellung ist nicht vorbei, wenn sie vorbei ist – und ein Festival auch nicht. Im Nachgang des Festivals SubSorb łł und der dortigen Ausstellung „Wobrazy splećenych dušow!? / wobraze zwězanych dušow!? / Bilder verknüpfter Seelen!?“ trafen sich die Beteiligten, um eine weitere Kooperationsmöglichkeiten auszuloten und die Ausstellung künstlerisch zu besprechen.

Am 15. November verwandelte sich der Salon Similde in Leipzig in einen lebendigen Denkraum für sorbische Kultur und postkoloniale Diskurse. Unter dem Titel „Kolokwij w kulturnym domje Lipsk“ diskutierten Rahel Selnack, Bernhard Schipper, Alexander Pehlemann und Karoline Schneider über aktuelle Projekte und die Sichtbarkeit von Sob*innen/Wend*innen. Ein zentraler und provokanter Punkt der Runde war der Anspruch, Leipzig offiziell wider als sorbisches Siedlungsgebiet zu begreifen und dies aktiv einzufordern.
Rahel Selnack gab Einblicke in ihre Arbeit an Collagen, Keramik und Workshops, während sie die essenzielle Frage stellte, ab wann Kunst eigentlich als „sorbisch“ wahrgenommen wird. Bernhard Schipper präsentierte seine Ausstellung, die sich kritisch mit der Inszenierung wendischer Ammen und der „Parafiction“ des Spreewalds auseinandersetzt.
Die Runde beleuchtete zudem die absurden Überlagerungen von Tradition und Kommerz, symbolisiert durch Beispiele wie kaiserzeitliche Retuschen als frühe Stockfotografien und die Weiterverbreitung seit dem über klischeehafte Bilder. Auch die Verbindung zu globalen Themen wie „Texas-Sorb*innen“ im Gespräch ihren Platz.
Alexander Pehlemann schlug die Brücke zu osteuropäischen Netzwerken und kommenden Ausstellungen zwischen Chemnitz, Berlin und Potsdam. Karoline Schneider ergänzte die Runde durch ihre wissenschaftliche Perspektive aus aktuellen Forschungsanträgen und Dissertationsvorhaben. Das Treffen endete mit dem starken Wunsch nach Vernetzung: Zukünftig soll dieser Austausch mindestens einmal jährlich stattfinden, um die sorbische Präsenz in der Stadt nachhaltig zu stärken.
Text: Karoline Schneider/Krawc



